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Bemessungsgrundlagen

Begriffe

Die Bauministerkonferenz (ARGE-BAU) definierte in ihrer Musterbauordnung Begriffe, um missverständliche Kommunikationen zu vermeiden. Die Begriffsdefinitionen übernahmen die Bundesländer in ihre Landesbau- ordnungen. Die für die Standsicherheit und zum Schutz gegen schädliche Einflüsse grundlegenden, relevanten Definitionen lauten:

Nur wenn die am Bauwerksstandort vorliegenden Wasser- und Boden- verhältnisse sowie die gewünschte Nutzung eines Gebäudes bekannt sind, lassen sich zielführende Planungnen und Materialauswahlen treffen. Diese Kenntnisse sind die Bemessungsgrundlagen aller nachfolgenden Handlungen.

Die zur Planung notwendigen Zuordnungen zur Standfestigkeit und dem Schutz gegen schädliche Einflüsse (z.B. Abdichtung) sind belastbar nur in Kenntnis der Lastfälle Bodenfeuchte, dauerhaft anstehendem drückendem Wasser, Schichtenwasser, Kapillarwasser oder drückendem Wasser aus zeitweise aufstauendem Sickerwasser möglich.

Werden Maßnahmen im Bestand notwendig, muss die Kenntnis der bestehenden Bauausführung zusätzlich tragfähig bekannt sein.

Alle entsprechenden DIN-Normen und Bauregeln, die in den Stand als öffentlich rechtliche Vorschrifterhoben wurden, fordern daher diese Kenntnisse als Bemessungsgrundlage. Nur so können die in den Normen und Regeln festgelegten Ziele ihre Wirkung entfalten.

Die Bauherren tragen die Verantwortung für die Einhaltung der öffentlich rechtlichen Vorschriften. Ihre Entwurfsverfasser sind verantwortlich für die Nachweise der Einhaltung der öffentlich rechtlichen Vorschriften.

Bemessungen oder Handlungen ohne diese Kenntnis verletzen daher die Elementarpflichten. Bemessungen oder Handlungen auf Annahmen hin sind Glückspiele. Um zu unzweideutigen Beurteilungen zu kommen ist es daher unabdingbar, dass für jeden Bauwerksstandort die Wasser- und Bodenverhältnisse, die Bauausführung sowie die Nutzungen der Hauseigentümer festgestellt werden.

Hierfür hat sich nachstehend aufgeführte Reihenfolge der Arbeitsschritte besonders bewährt.

Bemessungswasserstand

© Hubert von Grabczewski - Grafik der Ermittlungsergebnisse


Wasser- und Bodenverhältnisse

Aus der örtlichen Lage, der Kenntnis der bauwerksstandortgemäßen Bodenverhältnisse (Ermittlung nur nach Notwendigkeit) und der Tiefenlage des Hauses wird der individuelle Grad der Betroffenheit des Hauses durch Feuchte ermittelt.

Dazu gehören die Feststellung des höchstmöglichen, des niedrigsten Grundwasserstandes und der durchschnittlichen Grundwasserstandshöhe, sowie die dazugehörigen witterunsgbedingten jährlichen Schwankungsbreiten unter Berücksichtigung der rechtlich verbindlichen und unverbindlichen Einflussnehmer.

Bauwerkstandortbezogene Ermittlungen
Da der Boden kein homogenes Gebilde ist und man sich die Bodenschichten nicht wie die Schichten einer Schwarzwälder-Kirschtorte vorstellen darf, ist vor Planungsbeginn die Ermittlung der Bauwerksstandort bezogenen Wasser- und Bodenverhältnisse fach- und regelkonform gefordert. Aus nachstehender Information der Bodenkartieranleitung wird die Ursache dieser Forderung deutlich.

© Hubert von Grabczewski - Bodenhorizontgrenzen nach Bodenkartieranleitung


rechtlich verbindliche Einflussnehmer
Wurden in einem Planfeststellungsverfahren oder einem gleichwertigen raumordnerischen Verfahren die Inhaltsbedingungen von Grund und Boden derart geändert, dass der natürliche ober- und unterirdische Abfluss verändert wurde haben die Beteiligten Anspruch darauf, dass diese Zustände dauerhaft beibehalten werden.
Wird beispielsweise durch einen Gewässerausbau der Flurabstand erweitert (Differenz der Geländeoberkante zur Grundwasseroberfläche) indem durch Einstellung der Vorflut der Grundwasserstand gesenkt wird, kann dieser Zustand nur dann wieder umgekehrt werden, wenn die auf diesen Flurabstand ausgerichteten Nutzungen im Gewässerumland bei einer Umplanung berücksichtigt werden.

© Hubert von Grabczewski - Schaubild der Raumveränderungen nach Änderung von Gewässerausbauen oder Renaturierungsmaßnahmen


Durch diese Maßnahmen wird der Horizont der wassergesättigten Zone in die Höhe verlagert. Der Flurabstand verkürzt sich. Sollten sich dann aufgrund erhöhter Niederschlagsaufkommen Nassperioden einstellen, stünde kein ausreichender Speicherraum im Boden zur Aufnahme des Niederschlags zur Verfügung.

Die Vorflut hätte sich für Infrastrukturen, Ansiedlungen und die Forst- und Landwirtschaft schadensgeneigt verändert.



rechtlich unverbindliche Einflussnehmer
Der Besitz von Wasserrechten ist nicht gleichzustellen mit einer dauerhaften Verpflichtung, den durch die Nutzung des Wasserrechtes entstandenen Absenkungstrichter und die damit verbundene Grundwasserabsenkung beizubehalten.

Am Markt nicht durchsetzbare Biersorte und deren Produktionsstätte


Würde z.B. eine Brauerei aufgrund von Markterfordernissen ihren Betrieb schließen und demzufolge für ihre Produktion kein Grundwasser mehr fördern, dann würde der Grundwasserstand wieder auf die Höhe steigen, die er vor der grundwasserbeeinflussenden Förderung hatte.
Blieb diese Möglichkeit bei der Ermittlung des Bemessungswasserstandes unberücksichtigt, würden zwangsläufig unzutreffende Planungsgrundlagen bei der Gebäudeplanung zu Grunde gelegt worden sein und Feuchteschäden wären die Folge.